Echt lustig, was man hier alles so lesen tut. Der Motor wird instandgesetzt, neue Lager rein usw...
Kolbenbolzen ist blau, Pleuellager schwergängig...
Also mal zum Start dieses Themas.
Der Motor hatte keine Leistung mehr, und ging im Leerlauf aus, und lies sich nicht mehr starten. Bitte, was ausser den Kolbenringen soll es sein? Ein Kolbenklemmer, und die Ringe stecken fest und können nicht mehr verdichten.
Ja es könnte auch ein Ventilschaden sein, dass aber nur wenn diese den Kolben geküsst haben, also bitte, das ist bei normalem Strassenbetrieb ausgeschlossen, ausser Steuerkette defekt, oder falsche Steuerzeiten (Fehler bei der Montage).
Nun zum Thema einfahren:
Es ist ja klar dass der Zylinder und Kolben hin ist, also beides neu. Und bitte, kommt mir nun nicht damit, einen festgefressenen Zylinder zu honen, das klappt nicht, da eine Ovalität nicht beim Honen rund wird, da muss schon ausgedreht werden.
Also neuer Kolben und neuer Zylinder, in diesem Fall neues Pleuel (mitsamt Lager und Bolzen), wenn der Kopf schon runter ist, Ventile säubern und neu einschleifen, Nockenwellenlagerung überprüfen (wenn man schon von Oelmangel spricht), Kurbelwellenlager erneuern (auch wenn diese eben erst neu waren, nach einem Fresser sind immer Späne drin) sowie alle Dichtungen erneuern. Nun spricht man von einem neuen Motor, was den Brennraum angeht, in anderen Worten, ein Motor, welcher nach der Zerspanung noch nicht auf Betriebstemperatur gebracht wurde, und genau hier passieren die meisten Fehler.
Die Aluteile, werden auf der Drehmaschine, Honbank, usw zerspant, hier entstehen Gefügeveränderungen und Spannungen.
Fährt man nun in gutem Willen den Motor falsch ein, ist das Einfahren für die Katze. Und den Gefügeveränderungen und den Spannungen entgegenzuwirken, fährt man den Motor zirka 10 Minuten gemütlich warm, dass er echte Betriebstemperatur hat. Nun das Wichtigste, nach diesen 10 Minuten, den Motor abstellen, und für zirka 30 Minuten abkühlen lassen. In dieser Zeit(bei der Erwärmung), dehnen sich Kolben und Zylinder, und alle von der Zerspanung hergeführten Gefügeveränderungen sowie die Spannungen werden bei der Abkühlung auf diese Weise eliminiert. In Fachjargon nemmt man solch eine Erwärmung "Glühen".Grosse Teile welche auf Fräsmachinen und Drehmaschinen geschruppt werden, glüht man, damit die Spannungen verschwinden, anschliessend kommt erst der Schlichtvorgang. Kleine Teile, werden zuerst geschruppt, dann geschlichtet, ohne zu glühen, denn da ist der Verzug minimal, trotzdem vorhanden. Und Motorenteile, welche dann einer Temperatur ausgesetzt werden, verziehen sich anfangs enorm, deshalb ist das abkühlen extrem wichtig, nach den ersten Betriebsminuten.
Es ist nicht das Einschleifen der Kolbenringe, oder der Lager, was ein Einfahren benötigt, sondern das Material!!!
Ich fahre seit 28Jahren Motorrad, habe an Husqvarna's geschraubt, nun an Aprilia's, und vorher an meinen Superbike's (Renneinsatz), alle Motoren haben gehalten. Zur Info, ich fahre eine Aprilia SXV550, seit 2 Jahren nur auf der Strecken, und ich habe keine 15 Stunden eingefahren, der Motor hat ettliche Stunden runter, und schnurrt wie eine Katze (lest mal die Probleme im Aprilia Forum
http://aprilia-sxv.de, diese hatte ich nicht. Aprilia spricht auch von jeder Menge Stunden Einfahrzeit, dies ist Augenwischerei, damit die Motoren nicht während der Garantie eingehen.
Ihr könnt einen Motor mit dem menschlichem Körper vergleichen:
Wenn man morgens aufsteht, kann man auch nicht gleich einen Sprint laufen, der Körper braucht eine Umstellung und Wärme. Also zuerst Frühstücken, dann raus, warmlaufen, und nun klappt der Sprint.
Das Gleiche, wenn man vom Laufen kommt, ins Bett gehen klappt nicht, nun muss man abkühlen, den Puls runterfahren, und schon klapt es mit dem Schlafen.
So nun noch einiges zum Ende, ich weiss von was ich rede, mein Beruf war es, Teile zu zerspanen, ich habe vom Kupplungsdeckel, zur Radnabe, Kurbelwelle, Gabelbrücken usw alle Teile selbst hergestellt, also bitte nimmt es ernst, die ersten 40 Minuten (10+30 macht 40) sind die wichtigsten im Leben eures Motors. Und dass alle Motoren auf dem Prüfstand gequält werden, stimmt nicht, ich war auch in Varese auf Werksbesichtigung, und habe gesehen wie ein Prüfer zur Sau gemacht wurde, da er auf dem Prüfstand zeigen wollte was Sache sei...
Zum Thema Wettbewerbsmotorrad:
Wieso glaubt ihr dass alle Fahrer in der WM 2 Maschinen haben? Eine zum Zeigen, die andere zum Fahren? Nein, beide sind identisch, vom Menschenauge nicht zu unterscheiden, diese werden abwechselnd an einem Wochenende eingesetzt, ohne dass es dem Zuschauer auffällt. Nach diesem Rennwochenende werden die Motoren komplett zerlegt und erneuert. Hier spielt es keine Rolle, wielange so ein Motor hällt, denn die 2 Stunden, welche diese Motoren im Einsatz sind, sind keine Gefahr.
Richtig warmgefahren wird eine GP Maschine nicht, nach 2 Runden Warmup, ist der Motor wohl auf Temperatur, aber dies nur, weil er schon vorher auf Vollgas gelaufen ist. Wer sichs leisten kann ...